there’s an end

Entries categorized as ‘Lost Art of Keeping a Secret’

SpOn und die jungen Verbrecher

Mai 22, 2008 · 1 Kommentar

Bei Spiegel Online gibt es zwei Artikel zur neulich von den CDU-Sheriffs Schäuble und Schönbohm vorgestellten Kriminalstatistik des Jahres. Beide Artikel machen auf die übliche Weise Panik vor kriminellen Jugendlichen (4,9% mehr Gewaltkriminalität, 6,3% mehr gefährliche und schwere Körperverletzung) und weisen auf den “deutlich höheren” Anteil von Nichtdeutschen hin. Erfolge werden bei den gesunken Drogen- und Diebstahldelikten gesehen (welches “offensichtlich wegen immer besserer Diebstahlsicherungen” bei Autos der Fall sei). Sowohl Ralf Stegner, der SPD-Chef Schleswig-Holsteins, als auch Schäuble sehen hartes Durchgreifen als Lösung: “Wir müssen das existierende Recht konsequenter anwenden. (…) Die Strafe muss auf den Fuß folgen.”

Let’s state the facts:

-Die um 6,3% gestiegenen gefährlichen und schweren Körperverletzungen von Jugendlichen liegt deutlich unter dem Bundesanstieg von 11,1 Prozent.

- Wahre Erfolge sind statt gesunkener Drogen und Diebstahl-Zahlen wohl eher die um 5% gesunken Mord und Totschlagsfälle, sowie die um 7,5% gesunkenen Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen.

- Zu den “Nichtdeutschen Kriminellen”: Deren Zahlen, im Gegensatz zu denen des Durchschnittsbürgers, sinken.

- Hardcoremaßnahmen wirken nicht - ganz im Gegenteil: “Täter, die zu einer freiheitsentziehenden Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt wurden, werden besonders häufig rückfällig.”

Und ich bin verdammt froh, dass der Holzklotz-Werfer ein frustrieter, Heroinsüchtiger Dreißigjähriger wahr und kein - wie bereits allgemein fabuliert- gelangweilter Jugendlicher.

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret

Long time no see

Mai 21, 2008 · Keine Kommentare

Ich hab mich selbst vermisst. Zwar ist mein Aufmerksamkeitsdrang - leider - nicht weniger geworden, aber ich habe jetzt etwas, was weniger Arbeit macht und trotzdem von mehr Menschen wahrgenommen wird.

Proudly presenting twitter! Genauso sinn- und bedeutungslos wie bloggen, aber auf 140 Zeichen beschränkt. Das macht die Hohlräume, die ich Seifenblasen gleich in die Welt puste deutlich kleiner. Mit 31 Mitlesenden erreiche ich sogar mehr Leute als hier mit dem Blog. Traurig, aber wahr. Immerhin, ganz ersetzen kann es das Bloggen nicht, egal wie pointiert die Statusmeldungen sind. Ihr merkt, dass ist wieder ein leicht konfuser, Themenloser Post - aber wieso rechtfertige ich mich eigentlich? Ich würde gerne mehr bloggen, aber das Leben ist ziemlich ereignislos.

Ich plane mir das neue Buch von Newsweek-Editor Fareed Zakaria zu kaufen, hoffentlich wochenendlich.

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret

Jan Delay ~ Kartoffeln

April 27, 2008 · Keine Kommentare

Ich bin ne Kartoffel und ich bin cool damit
Ich nehm das Thema her und schreibe noch ‘n Superhit
Über dieses öde Gemüse und seine Eigenschaft
Stärke zu besitzen, aber leider keinen Geschmack
Ist ne bittere Pille für die Leute, doch selbst Schuld
Sie wählten Archie und der brachte die Fäule
ja es waren die Kartoffeln, die den Dämon erschufen
Und alle Flasher mussten abhauen, oder kamen in die Dusche
Seitdem ist hierzulande alles finster
Für Stil und Humor herrschten 70 Jahre Winter
Ja, der Flavour ist braun und der Groove, der ist Marsch
Und wir haben keinen Stock, sondern nen Wald im Arsch
(Kartoffeln)

Aber wenn das, was ich gerade hier gelabert habe stimmt
Wieso kann ich dann verdammt nochmal so cool sein wie ich bin?

Gehts um Entertainment bei unserm Knollengewächs
Sag ich “Bonjour Tristesse” und zwar im vollen Effekt
Nee, wir haben andre Hobbys, andre Vorlieben:
Regeln vorschreiben oder auch Riegel vorschieben
Ja, wir scheißen auf Mucke, wollen lieber bausparen
Darum haben andre Bob Marley und wir haben Klaus Lage
Keinen Miles Davis, nicht mal einen Frank Sinatra
Darum sind hier alle so Modebewusst wie Taxifahrer
(Oh Kartoffeln)
Wir tragen die schlimmsten Klamotten:
Die Hosen Karotten und Sandalen mit weißen Socken
(Kartoffeln)
Hab ich sie im Ausland getroffen, hab ich mich stets geschämt
Und sie waren noch nicht mal besoffen
(Kartoffeln)

Aber wenn das, was ich gerade hier gelabert habe stimmt
Wieso kann ich dann verdammt nochmal so cool sein wie ich bin? (2X)

Als Kartoffel
Da sollte man in ner Stadt leben
Weil hier die Zutaten sind, die einem Geschmack geben
Ja hier in Hamburg, zwischen Sam und Tocotronic
Krieg ich gar nicht so viel mit von den 70 Jahren Grobmotorik
Gib mir: Gutes Radio, gutes Fernsehen, gute Mode,
Gutes Essen, gute Clubs
Und ein paar fähige Idole
Gib mir das alles, Digger
Und wir könnten wetten:
In 20 Jahren mach ich dir aus Bielefeld Manhatten

Aber wenn das, was ich gerade hier gelabert habe stimmt
Wieso kann ich dann verdammt nochmal so cool sein wie ich bin?

Aber wenn das was ich grad gelabbert hab, die Wahrheit ist
Wieso kannst du dann verdammt nochmal so cool sein wie du bist?
Kartoffeln

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret

Menschlichkeiten

April 20, 2008 · 3 Kommentare

Jemand hatte an meine Hauswand gesprayt. In letzter Zeit geschah das öfter in meinem Viertel, seitdem der Begriff “Gentrifizierung” durch die Medien gegangen war. Mein Haus war ein Paradefall für ein gelebte Gentrifizierung. Vor einem halben Jahrzehnt mit X eingezogen, als sie noch Kunst studierte und ich “irgendwas mit Medien”. Als wir uns noch liebten und nicht von unendlicher Zweisamkeit entzweit waren. Die Mieten waren billig, das Haus zugig. Im Dach gab es Wespen und im Keller Mäuse. Unter uns wohnte die 7-köpfige Familie Ashimraf, über uns Opa Henke, der immer wieder gerne nasetippend über das “linke Gesindel und Studentenpack” schimpfte.

Heute war es ein weiß renoviertes, leeres Ein-Familien-Haus, Mit Innensauna. Ohne Wespen, ohne Mäuse, ohne Leben. Auf dem ebenso großen wie geschmacklos verzierten Briefkasten prangte ein “Dr” vor meinem Namen. Unser -oder von nun an viel eher mein- Gärtner hatte den vorgärtlichen Zierrasen frisch geschnitten. Ich konnte jeden Hass in meine Richtung verstehen.

Bereit, die Selbstverachtung zu umarmen, bereit, den Globalisierungsgegnern in ihren Nike-Schuhen ein innerliches, süffisantes Lächeln zu schenken, drehte ich meinen Kopf um einen besseren Blick auf die vermeintliche Klassenkampfparole zu werfen. Vor vier Wochen, kurz bevor X mich endgültig verließ, hatten wir “Widerstand ist zwecklos - sie werden gentrifiziert” in sattem Rot an der Wand. Ich fand es kreativ und wollte es stehen lassen; doch damals gab es noch X, und X fragte, wie das denn aussehe, wenn das nun jeder mache, und überhaupt, was sollten die Nachbarn denken? Ich schnauzte, so sehe es lebendiger aus in diesem Totenhaus, die Nachbarn kümmerten mich einen Dreck, und wenn es jeder machen würde wäre das gelebte Kunst. Sie schnaubte verächtlich und schrubbte es selber ab, in ihrer alten weißen Latzhose. Mein Gott, was haben wir uns gehasst in den letzten Tagen.

Doch statt des erhofften Rio-Reiser-Kampfschreis stand an meiner Mauer “Wenn es den Menschen gäbe, müsste man ihn abschaffen”. Ich wurde noch deprimierter.

Ich schnallte meinen Helm auf und schwang meinen Hintern auf den neugekauften Roller (statt in den schwarzen Saab) und machte mich auf den Weg zu X. Während der Fahrtwind an meinem betont unrasierten Kinn Wirbel bildete, dachte ich darüber nach, wie seltsam es war, dass ich erst jetzt mit ihr so offen reden konnte. Nachdem sie weg war, war mein erster Schritt nach dem Schock Verweigerung. Ich duschte selten, rasierte mich gar nicht, und hielt die jahrelang mühsam eingehaltene Diät nicht mehr ein. Selbst auf meine Samstagmorgen-Wichserei verzichtete ich. Vielleicht war es der Versuch, etwas anzustauen. Dreck, leere Kalorien, Sperma, Haare sollten helfen, mich wieder selbst zu spüren. Ich lächelte kurz, als ich daran dachte, wie ich es X erzählen würde. Spöttisch würde sie mich angucken, mit ihrer Zungenspitze im rechten Mundwinkel, und darüber lachen, wie ich versuchte meine Faulheit vor mir selber zu rechtfertigen. Vor einigen Tagen hätte es mich noch wütend gemacht, doch nun war alles federleicht in bleierner Schwere. Ich überlegte, Blumen zu kaufen. Das hatte ich erst zum Ende wieder gemacht, mindestens einmal pro Woche. Geholfen hat es nicht, im Gegenteil. X erkannte mein Klammern und versuchte noch stärker, von mir los zu kommen.

Heute würde ich ihr sagen, dass ich sie liebe. Ohne es wie einen Vorwurf klingen zu lassen, wie es die letzten male war. Ich würde es ihr sagen, nicht um sie an mich zu binden, sondern um ihr eine Freude zu machen. Eine kirschgrüne Ampel ignorierend, drückte ich aufs Gas. Ich war erstaunt von der Situation, von meinem Frieden, von der Einsamkeit, obwohl sie so oft so nah war, überraschte sie mich. Die Vorwürfe, die ich mir selber machte, ließen keinen Platz mehr für Vorhaltungen ihr gegenüber. Ich hielt an einer Tankstelle und kaufte eine einzelne Lilie. Sie mochte Lilien sowieso mehr als alle anderen Pflanzen und ganz sicher mehr als die verzweifelten Rosensträuche die ich ihr zum Ende so oft brachte. Mit meiner Angst sie zu verlieren, hatte ich sie noch mehr von mir abgestoßen. Nun war alles sehr klar, aber diese Erkenntnis kam reichlich spät.

An ihrem Totenbett angekommen, ließ ich den Rollerhelm ins Gras fallen. Die Lilie legte ich behutsam auf den grausam frischen Grabstein. Ich erzählte ihr, wie ich mich fühle. Ich erzählte davon, dass ich ab nun die Graffitis stehen lassen würde. Ich erzählte ihr, dass ich den Gärtner feuern würde. Ich erzählte ihr, dass ich wieder rauchte. Ich erzählte ihr auch, dass Brotstücke für Mäuse im Keller auslegen würde Sie widersprach nicht. Nicht einmal. Ich sagte ihr, dass ich sie liebe.

Als ich wiederkam, hatte jemand unbeholfen einen Zusatz unter das Graffiti gesprayt. “Wenn es den Menschen nicht gäbe, müsste man ihn erfinden”. Ich nahm meinen Helm unter den Arm, zündete eine Zigarette an und betrat mein Haus.

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret

April 8, 2008 · 1 Kommentar

Heute wollte ich früh schlafen gehen. Halb, spätestens um 10. Jetzt ist es nach 12, aber wenigstens habe ich wieder einen lesbaren Onlinecomic.

“Inaction is his lifestyle”

Yeah.

Außerdem scheint es mir beinahe, als würde ich einem Ende entgegenkommen in meinen scheinbar ewig-sinnlosen Fragestellungen. Ich scheine langsam eine feste Meinung über “Leben und so” zu bilden. Das mag dafür sorgen, dass ich mich endlich auf die Freuden im Leben konzentrieren kann, oder aber bedeuten, dass mein Dasein das letzte bisschen Inhalt verloren hat. Tjoa. Werden wir ja sehen.

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret

April 5, 2008 · Keine Kommentare

“It’s nothing but a dream that I’ll awake from one day”

Mit der Einstellung geht das Treiben noch sorgloser, noch freier - und noch deprimierender. Dabei könnte und sollte ich soviel tun.

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret

Und so.

April 5, 2008 · Keine Kommentare

Ich finde bloggen ja toll. Kreative Energie abbauen, der einzige Anspruch ist der, der den man an sich selber stellt - in meinem Fall also keiner. Aber obwohl ich ganz gerne schreibe - in letzter besonders gerne mit “-”en statt Klammern (obwohl diese auch Vorzüge haben) - fehlt mir meistens ein Thema, die Auswahl ist zu groß. Ein thematisch eingeschränkter Blog könnte dem Abhilfe schaffen, doch würde das sowas wie Ausdauer erfordern, es wäre beinahe eine Verpflichtung. Bäh.

Dafür treibe ich mich verstärkt bei anderen rum, bei den Gescheiterten, den Losern, den traurigen Gestalten, den Arschlöchern. Rome von Rounders ist ein geistiger Nachbar von Christoph Kratistos.

Ich zähle also weiter Tage und lasse mich von The Clash, Marilyn Manson und französischem Swing treiben. Schade, dass ich schon alle Cowboy Bebop Episoden geguckt habe.

Kategorien: Lost Art of Keeping a Secret